Marge berechnen: Definition, Formel & Beispiele für Unternehmer:innen

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Die Marge ist das Herzstück Deiner Preisstrategie. Sie zeigt Dir, wie viel Gewinnpotenzial in jedem Verkauf steckt. In diesem Artikel erfährst Du, was eine Marge ist, wie Du sie berechnest und warum sie für Dein Business entscheidend ist.

Was ist eine Marge? (Definition & Bedeutung)

Die Marge beschreibt die Differenz zwischen Deinem Verkaufspreis und den Einstandskosten – also den variablen Kosten, die direkt für ein Produkt oder eine Dienstleistung anfallen. Sie wird meist als Prozentsatz des Verkaufspreises angegeben und zeigt Dir, wie groß der finanzielle Spielraum in Deiner Kalkulation ist.

Marge ist nicht gleich Gewinn

Hier liegt oft ein Missverständnis. Die Marge zeigt nur, wie viel Puffer nach Abzug der direkten Kosten bleibt. Der Gewinn geht einen Schritt weiter: Er berücksichtigt auch Fixkosten wie Miete, Gehälter, Versicherungen oder Softwarelizenzen. Ein Unternehmen kann also trotz hoher Marge Verluste machen, wenn die Fixkosten zu hoch sind.

Bedeutung der Marge

Die Marge ist ein zentrales Steuerungsinstrument:

Kurz gesagt: Die Marge ist Dein Frühwarnsystem. Sie sagt Dir, ob Du im Tagesgeschäft genug verdienst, um Fixkosten zu decken – und ob Dein Unternehmen langfristig profitabel sein kann.

Marge vs. Aufschlag (Markup): Der entscheidende Unterschied

Wenn es um Preise geht, fallen oft die Begriffe Marge und Aufschlag. Beide beziehen sich auf die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis – aber sie betrachten diese aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln.

Marge

Die Marge setzt die Differenz ins Verhältnis zum Verkaufspreis. Sie zeigt, wie viel Prozent vom Umsatz nach Abzug der direkten Kosten übrig bleiben.

Formel: (Verkaufspreis − Einkaufspreis) ÷ Verkaufspreis × 100

Aufschlag (Markup)

Der Aufschlag dagegen bezieht die gleiche Differenz auf den Einkaufspreis. Er zeigt, wie stark Du den Einkaufspreis „aufgeschlagen“ hast, um zum Verkaufspreis zu gelangen.

Formel: (Verkaufspreis − Einkaufspreis) ÷ Einkaufspreis × 100

Praxisbeispiel

Am einfachsten lässt sich der Unterschied zwischen Marge und Aufschlag mit Zahlen zeigen. Nehmen wir ein Produkt, das für 100 € eingekauft und für 150 € verkauft wird.

Marge = (150 − 100) ÷ 150 × 100 = 33,3 %

Aufschlag = (150 − 100) ÷ 100 × 100 = 50 %

Das bedeutet in der Praxis

Beide Kennzahlen beschreiben dieselbe Preisspanne, aber aus verschiedenen Perspektiven. Für die Kalkulation der Profitabilität ist die Marge entscheidend. Der Aufschlag hilft dagegen, Preisstrategien aus Sicht des Einkaufs zu bewerten.

Arten der Marge: Brutto-, Netto- und EBIT-Marge

Nicht jede Marge ist gleich. In der Praxis unterscheidet man mehrere Arten, die jeweils unterschiedliche Ebenen der Unternehmensrechnung abbilden. Die drei wichtigsten sind Bruttomarge, Nettomarge und EBIT-Marge.

Bruttomarge

Die Bruttomarge zeigt, wie viel vom Umsatz nach Abzug der Herstellungskosten (Cost of Goods Sold, kurz COGS) übrig bleibt. Sie gibt Aufschluss darüber, wie effizient Dein Kerngeschäft Produkte oder Dienstleistungen produziert.

Formel: (Umsatz − Herstellungskosten) ÷ Umsatz × 100

Nettomarge (Umsatzrendite)

Die Nettomarge geht einen Schritt weiter: Hier werden zusätzlich Fixkosten, Zinsen und Steuern berücksichtigt. Sie zeigt, wie viel vom Umsatz am Ende als tatsächlicher Gewinn übrig bleibt.

Formel: Gewinn ÷ Umsatz × 100

EBIT-Marge

Die EBIT-Marge (Earnings Before Interest and Taxes) stellt die operative Ertragskraft dar – also das Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Sie eignet sich besonders gut für Branchenvergleiche, da sie Finanzierung und steuerliche Effekte ausklammert.

Formel: EBIT ÷ Umsatz × 100

Praxisbeispiel

Damit die Unterschiede greifbarer werden, schauen wir uns ein konkretes Szenario an. Anhand eines fiktiven Unternehmens mit fixen Umsätzen und Kosten lässt sich gut zeigen, wie unterschiedlich die drei Margen ausfallen.

Bruttomarge = (500.000 − 350.000) ÷ 500.000 × 100 = 30 %

Nettomarge = 50.000 ÷ 500.000 × 100 = 10 %

EBIT-Marge = 70.000 ÷ 500.000 × 100 = 14 %

Damit wird deutlich: Je nachdem, welche Kosten einbezogen werden, fällt die Marge ganz unterschiedlich aus – und liefert verschiedene Blickwinkel auf die Profitabilität.

Marge berechnen: Formeln, Rechenweg & Beispiele

Die Berechnung der Marge folgt einer einfachen Grundformel. Wichtig ist, dass Du immer netto rechnest, um ein realistisches Bild Deiner Preisgestaltung zu erhalten.

Grundformel: Marge (%) = (Verkaufspreis − Einkaufspreis) ÷ Verkaufspreis × 100

Beispiel 1: Handel (einfacher Produktverkauf)

Nehmen wir einen klassischen Warenverkauf. Anhand eines Produkts lässt sich die Berechnung der Marge leicht nachvollziehen.

Marge = (80 − 40) ÷ 80 × 100 = 50 %

Beispiel 2: Dienstleistungen (mit variablen Kosten)

Auch Dienstleistungen lassen sich mit der gleichen Formel berechnen. Hier spielen vor allem variable Kosten wie Material oder Fremdleistungen eine Rolle.

Marge = (100 − 30) ÷ 100 × 100 = 70 %

Häufige Fehler bei der Berechnung

Damit Deine Kalkulation zuverlässig bleibt, solltest Du einige typische Stolperfallen kennen. Sie treten besonders häufig bei der Preisgestaltung auf.

Marge in Excel berechnen (mit Formeln & Beispielen)

Gerade in der Praxis ist Excel ein beliebtes Werkzeug, um Margen schnell und zuverlässig zu berechnen. Mit ein paar einfachen Formeln kannst Du Deine Kalkulation übersichtlich darstellen.

Formel für Marge in % = (Verkaufspreis - Einkaufspreis) / Verkaufspreis

Diese Formel zeigt Dir den prozentualen Anteil der Marge am Verkaufspreis. So erkennst Du sofort, wie groß Dein Gewinnpuffer ist.

Formel für Marge in € = Verkaufspreis - Einkaufspreis

Hier siehst Du die Marge in absoluten Zahlen – praktisch, wenn Du wissen willst, wie viel Euro pro Verkauf übrig bleiben.

Rückwärtsrechnung (gewünschte Marge → Verkaufspreis)

Mit Excel kannst Du auch den nötigen Verkaufspreis berechnen, um eine bestimmte Zielmarge zu erreichen. Dazu teilst Du den Einkaufspreis durch (1 − Zielmarge).

Beispiel:

Verkaufspreis = 80 ÷ (1 − 0,40) = 133,33 €

So stellst Du sicher, dass Dein Preis nicht nur die Kosten deckt, sondern auch die gewünschte Marge bringt. Wer regelmäßig mit Excel arbeitet, kann die Formeln zusätzlich mit Funktionen wie Zielwertsuche oder Was-wäre-wenn-Analyse kombinieren.

Wie viel Marge ist gut? Branchen-Benchmarks

Ob eine Marge „gut“ ist, hängt stark von Branche, Wettbewerb und Geschäftsmodell ab. Die folgenden Werte gelten als grobe Orientierung – sie helfen Dir, Deine eigenen Zahlen realistisch einzuordnen.

Einzelhandel (Lebensmittel): 2–10 %

Im Lebensmittelhandel sind Margen traditionell niedrig. Hoher Preisdruck, kurze Haltbarkeit und starker Wettbewerb sorgen dafür, dass schon wenige Prozent entscheidend sein können.

Gastronomie: 10–20 %

Restaurants und Cafés arbeiten mit höheren Margen als der Lebensmittelhandel, müssen jedoch Schwankungen bei Auslastung und Wareneinsatz ausgleichen. Kalkulation und effiziente Prozesse sind hier besonders wichtig.

Modehandel: 30–60 %

Im Textilbereich sind Margen deutlich größer. Der Grund: hoher Aufschlag auf Einkaufspreise, aber auch Risiken durch Retouren, Überhänge und wechselnde Trends. Wer gut plant, kann von diesen Spannen profitieren.

Software / SaaS: 70–90 %

Digitale Produkte wie Software haben die höchsten Margen. Nach der Entwicklung fallen kaum variable Kosten pro zusätzlichem Nutzer an, sodass der Großteil des Umsatzes als Marge verbleibt.

Wichtig: Diese Werte sind Richtgrößen. In der Praxis beeinflussen Einkaufskonditionen, Preisstrategien, Retourenquoten und Deine Fixkostenstruktur, wie hoch Deine Marge tatsächlich ausfällt. Deshalb lohnt es sich, die Zahlen regelmäßig mit Branchenreports zu vergleichen.

Marge erhöhen: praktische Ansätze

Eine gute Marge entsteht nicht von allein – sie ist das Ergebnis aktiver Steuerung. Mit den folgenden Maßnahmen kannst Du Deine Profitabilität Schritt für Schritt verbessern.

Bessere Einkaufskonditionen aushandeln

Sprich mit Deinen Lieferanten über Mengenrabatte, Staffelpreise oder längere Zahlungsziele. Schon kleine Preisnachlässe im Einkauf wirken sich stark auf die Marge aus.

Produktmix optimieren

Fokussiere Dich auf margenstarke Artikel und rücke diese in den Vordergrund. Weniger rentable Produkte solltest Du aus dem Sortiment nehmen oder nur ergänzend anbieten.

Preise durch wertbasierte Preisgestaltung anpassen

Statt Dich nur an den Kosten zu orientieren, solltest Du auch den wahrgenommenen Nutzen für Deine Kund:innen berücksichtigen. Höherer Service, bessere Qualität oder schnelle Lieferung rechtfertigen oft einen höheren Preis.

Fixkosten reduzieren

Automatisierung ist hier der Schlüssel. Ob Buchhaltung, Rechnungsstellung oder Kundenkommunikation – digitale Tools helfen, wiederkehrende Prozesse effizienter zu gestalten und Kosten dauerhaft zu senken.

Retourenquote senken

Gerade im Online-Handel sind Rücksendungen ein Margenkiller. Bessere Produktbeschreibungen, Größenberater oder eine optimierte Verpackung helfen, unnötige Retouren zu vermeiden.

Upselling & Cross-Selling nutzen

Biete Zusatzprodukte oder ergänzende Services an, die den Warenkorbwert erhöhen. Ein Beispiel: Zubehör zum Hauptprodukt oder Premium-Optionen bei Dienstleistungen.

Mit diesen Ansätzen stellst Du sicher, dass Deine Marge nicht nur theoretisch stimmt, sondern auch im Alltag wächst. Schon kleine Verbesserungen summieren sich zu einem spürbaren Unterschied.

Marge im Finanzbereich: Verwechslungsgefahr

Der Begriff Marge wird nicht nur im Handel oder in der Preisgestaltung verwendet, sondern auch in der Finanzwelt – allerdings mit ganz anderer Bedeutung. Wer sich mit Bank- oder Börsenthemen beschäftigt, stößt schnell auf folgende Varianten:

Zinsmarge

Sie beschreibt die Differenz zwischen den Zinssätzen, die Banken für Kredite verlangen, und den Zinssätzen, die sie für Einlagen zahlen. Eine hohe Zinsmarge bedeutet, dass das Kreditgeschäft für Banken besonders profitabel ist.

Bid-Ask-Spread

An Börsen und auf Devisenmärkten steht „Marge“ oft für die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufskursen. Diese Spanne, auch Spread genannt, ist ein zentraler Kostenfaktor für Trader:innen und Anleger:innen.

Margin (Sicherheitsleistung im Trading)

Im Wertpapierhandel meint „Margin“ das Guthaben, das Trader:innen als Sicherheit hinterlegen müssen, um mit Hebelprodukten handeln zu können. Die Margin schützt den Broker vor Ausfällen und bestimmt, wie groß die möglichen Positionen eines Traders sind.

Wichtig: Diese Bedeutungen haben nichts mit der unternehmerischen Gewinnmarge zu tun. Sie zeigen aber, wie vielseitig der Begriff „Marge“ im Finanzbereich verwendet wird – und warum es sich lohnt, den Kontext immer genau zu prüfen.

FAQ

Wie wirkt sich Inflation auf die Marge aus?

Steigen Einkaufspreise schneller als Deine Verkaufspreise, schrumpft die Marge. Dagegen helfen dynamische Preisstrategien und regelmäßiges Repricing.

Welche Auswirkungen haben Rabatte und Sonderaktionen auf die Marge?

Jeder Rabatt reduziert die Marge überproportional. Beispiel: Bei einer Zielmarge von 40 % (Verkaufspreis 100 €, Einkaufspreis 60 €) führt ein 10 %-Rabatt zu einem neuen Verkaufspreis von 90 €. Die effektive Marge sinkt damit auf 33,3 % [(90 − 60) ÷ 90 × 100]. Der Margenverlust fällt also stärker aus als der Rabatt selbst, da sich die Berechnungsbasis verschiebt. Deshalb sollten Aktionen immer mit einer Deckungsbeitragsrechnung geplant werden.

Wie beeinflusst Retourenmanagement die endgültige Marge?

Retouren mindern den Umsatz und verursachen zusätzliche Kosten für Prüfung, Lagerung und Versand. Eine niedrige Retourenquote durch klare Produktinfos und Qualitätskontrollen stabilisiert die Marge.

Welche Steuern und Abgaben muss man bei der Marge beachten (beispielsweise Umsatzsteuer, Differenzbesteuerung)?

Grundsätzlich wird die Marge netto berechnet – also ohne Umsatzsteuer. Sonderfälle wie die Differenzbesteuerung (§ 25a UStG) greifen, wenn beim Einkauf keine Vorsteuer angefallen ist, etwa bei Gebrauchtwaren.

Wie stark wirkt sich Wettbewerb auf die Marge aus?

Sehr stark. Je transparenter Preise durch Vergleichsportale oder Marktplätze sind, desto schwieriger wird es, hohe Aufschläge durchzusetzen. Differenzierung über Service, Qualität oder Lieferzeiten wird damit zum Schlüssel.

Was passiert, wenn die Marge negativ ist? Welche Maßnahmen kann man ergreifen?

Eine negative Marge bedeutet, dass Du unter Einstandskosten verkaufst. Kurzfristig solltest Du Preise anpassen oder Aktionen stoppen. Mittel- bis langfristig helfen bessere Einkaufskonditionen, Prozessoptimierungen oder ein anderer Produktmix.

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