Lineare Abschreibung – Definition, Formel und Beispiele

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Die lineare Abschreibung ermöglicht es, Anschaffungskosten gleichmäßig über die Nutzungsdauer zu verteilen. In diesem Artikel erfährst Du, wie sie definiert ist und berechnet wird. Außerdem erklären wir Sonderfälle und die Buchung in der Praxis.

Lineare Abschreibung Definition: Was bedeutet das?

Die lineare Abschreibung ist die Standardmethode der AfA und in § 7 EStG verankert. Dabei werden die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts gleichmäßig über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer verteilt und jährlich mit demselben Betrag abgeschrieben. Typische Anwendungsbereiche sind Anlagevermögen wie Maschinen, Fahrzeuge, Büroeinrichtungen oder Software.

Der Vorteil der linearen Abschreibung liegt vor allem in der übersichtlichen und transparenten Verteilung der Kosten über mehrere Jahre.

Gesetzliche Grundlagen im Überblick

Die Grundlagen der linearen Abschreibung sind in § 7 Abs. 1 EStG geregelt. Ergänzend enthält § 7 Abs. 4 EStG Sonderregelungen für Gebäude. In § 7a EStG werden Vorschriften für Sonderabschreibungen ergänzt. Für die Bestimmung der Nutzungsdauer bieten die AfA-Tabellen des Bundesfinanzministeriums einen sicheren Richtwert.

Hier einige Beispiele für die Nutzungsdauer unterschiedlicher Wirtschaftsgüter aus der AfA-Tabelle:

WirtschaftsgutNutzungsdauer

Computerhardware (PC, Drucker, Notebooks)

3 Jahre

Pkw

6 Jahre

Büro- und Ladeneinrichtungen

8–13 Jahre

Gebäude (Geschäftsbauten)

33–50 Jahre

Die AfA-Tabelle liefert somit die Grundlage, um die lineare Abschreibung zu berechnen.

Formel und Berechnung der linearen Abschreibung

Die Berechnung der linearen Abschreibung ist einfach:

Jährlicher Abschreibungsbetrag = Anschaffungskosten / Nutzungsdauer in Jahren

Ist am Ende der Nutzungsdauer ein Restwert vorgesehen, werden die Kosten um diesen Betrag gekürzt. Verbleibt das Gut im Betrieb, wird es mit einem symbolischen Erinnerungswert von einem Euro in der Bilanz geführt.

Schritt-für-Schritt Berechnung

So wendest Du die Methode korrekt an.

  1. Ermittle die Netto-Anschaffungskosten inklusive Nebenkosten.
  2. Lege die Nutzungsdauer nach AfA-Tabelle des BMF fest.
  3. Berechne den Jahresbetrag, indem Du die Kosten durch Anzahl der Jahre teilst. Bei unterjährigen Käufen wird der Betrag im Anschaffungsjahr durch zwölf geteilt und dann mit den tatsächlichen Nutzungsmonaten multipliziert.

Lineare Abschreibung berechnen: Beispiel

Nehmen wir an, eine Maschine kostet 21.000 € netto und hat laut AfA-Tabelle eine Nutzungsdauer von 7 Jahren.

Abschreibung pro Jahr = 21.000 € 7 = 3.000 €

Da sie im Juli gekauft wurde, wird sie zeitanteilig angesetzt. Für das erste Jahr gilt also:

3.000 € 12 × 6 = 1.500 €

JahrAbschreibung (in €)Restbuchwert (in €)

1 (6 Monate)

1.500

19.500

2

3000

16.500

3

3000

13.500

4

3000

10.500

5

3000

7.500

6

3000

4.500

7

3000

1.500

8 (Rest)

1.500

0

Buchung der linearen Abschreibung

Der Standardbuchungssatz lautet:

Soll: Abschreibungsaufwand

Haben: kumulierte Abschreibungen

Abschreibungen werden sowohl in der Handels- als auch in der Steuerbilanz aufgeführt. Beide Bilanzen beruhen auf denselben Geschäftsvorfällen, unterscheiden sich aber in den rechtlichen Grundlagen.

Die Handelsbilanz dient primär der Information und Ausschüttungsbemessung und basiert auf dem HGB. Die Steuerbilanz dient hingegen der Ermittlung der steuerlichen Bemessungsgrundlage und beruht auf dem EStG. Buchungsunterschiede ergeben sich beispielsweise durch steuerliche Sonderregelungen wie Sonderabschreibungen oder abweichende Bewertungsansätze.

Eine Büroausstattung kostet beispielsweise 12.000 € und wird über sechs Jahre abgeschrieben. Jährlich ergibt das 2000 €, gebucht als:

Soll: Abschreibungen auf Sachanlagen 2000 €

Haben: Büroausstattung 2000 €

So einfach und transparent lässt sich die lineare Abschreibung buchen.

Besonderheiten und Sonderfälle

Neben der Standardmethode gibt es bei der linearen Abschreibung einige Sonderfälle, die in der Praxis wichtig sind.

Zeitanteilige Abschreibung

Wird ein Wirtschaftsgut im laufenden Jahr angeschafft, darf nicht der volle Jahresbetrag angesetzt werden. Stattdessen erfolgt eine zeitanteilige Berechnung nach Monaten:

Jahresbetrag 12 × Nutzungsmonate

Der Anschaffungsmonat zählt dabei vollständig mit.

Abschreibung nach Kaufpreisminderung oder Zuschüssen

Rabatte oder Zuschüsse mindern die Anschaffungskosten. Im Anschaffungsjahr wird die Abschreibung basierend auf dem ursprünglichen Betrag berechnet, ab dem Folgejahr dann auf Grundlage des reduzierten Werts.

Sammelposten und Poolabschreibung für GWG

Geringwertige Wirtschaftsgüter bis 250 € netto können ohne Weiteres sofort abgeschrieben werden. Liegt der Wert über 250 € bis einschließlich 800 €, ist ebenfalls eine Sofortabschreibung als GWG möglich. Für Anschaffungen über 250 € bis einschließlich 1.000 € besteht zusätzlich die Möglichkeit einer Poolabschreibung über fünf Jahre, bei der alle Güter als Sammelposten zusammengefasst werden.

Restbuchwert und Erinnerungseuro

Auch wenn ein Gut am Ende der Nutzungsdauer vollständig abgeschrieben ist, verbleibt es oft im Betrieb. In diesem Fall wird es mit einem Erinnerungseuro in der Bilanz geführt, bis es ausgebucht wird. So bleibt der Bestand in den Büchern sichtbar.

Lineare oder degressive Abschreibung – Wann lohnt sich welche Methode?

Unternehmer:innen fragen sich oft, ob sie die lineare oder degressive Abschreibung nutzen sollten. Beide Methoden sind erlaubt, unterscheiden sich aber in Ansatz und Dauer.

Unterschiede im Überblick

Die Wahl der Methode hängt davon ab, wie Du Deine Investition steuerlich darstellen möchtest.

Die lineare AfA verteilt die Anschaffungs- oder Herstellungskosten gleichmäßig über die gesamte Nutzungsdauer. Das sorgt für eine einfache Planung und hohe Übersichtlichkeit in der Buchführung.

Die degressive AfA setzt hingegen in den ersten Jahren höhere Beträge an, die anschließend sinken. Sie ist steuerlich besonders interessant, wenn zu Beginn eine stärkere Entlastung sinnvoll ist.

Vor- und Nachteile der linearen Abschreibung

Die lineare Methode punktet mit Klarheit, hat aber auch Grenzen.

Vorteile:

Nachteile:

Ob sich die Methode eignet, hängt also stark vom Investitionsgut ab.

Praxistipps für die Entscheidung

Bei der Wahl der passenden Methode helfen folgende Faustregeln.

Die lineare AfA ist für langlebige Wirtschaftsgüter wie Immobilien oder Maschinen sinnvoll, deren Wert gleichmäßig sinkt. Die degressive AfA bietet hingegen Vorteile, wenn eine schnelle steuerliche Entlastung in den ersten Jahren gebraucht wird, beispielsweise bei kurzlebigen Investitionen.

FAQ

Wann kann man die lineare Abschreibung geltend machen?

Sie gilt für alle abnutzbaren Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, sofern ihre Nutzungsdauer mehr als ein Jahr beträgt.

Wann kann man die lineare Abschreibung für ein Haus geltend machen?

Dies ist bei vermieteten Immobilien möglich, nicht jedoch bei selbstgenutzten Wohnhäusern.

Wie lange kann man linear abschreiben (z. B. bei Gebäuden)?

Ältere Wohngebäude werden in der Regel über 50 Jahre mit 2 % jährlich abgeschrieben. Für ab 2023 fertiggestellte Gebäude gilt ein Satz von 3 % pro Jahr.

Wie hoch ist die Abschreibung im ersten Jahr bei linearer Methode?

Bei unterjährigem Kauf erfolgt die Berechnung auf Grundlage der tatsächlichen Nutzungsmonate, wobei der Anschaffungsmonat voll hinzugerechnet wird.

Wer bestimmt die Abnutzungsdauer bei der linearen Abschreibung?

Orientierung bieten die AfA-Tabellen des Bundesfinanzministeriums.

Wie hoch ist die lineare Abschreibung bei Immobilien?

Bei Wohngebäuden in der Regel 2 %, bei gewerblich genutzten bis zu 3 %. Auch das Baujahr spielt eine Rolle.

Wie hoch ist die lineare Abschreibung bei Photovoltaikanlagen?

Photovoltaikanlagen haben in der Regel eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 20 Jahren. Sie werden linear mit jährlich 5 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten abgeschrieben.

Wo trägt man lineare Abschreibungen in der Steuererklärung ein?

Die Werte werden in der Anlage AVEÜR (Anlageverzeichnis zur EÜR) erfasst. Bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung erfolgt der Eintrag hingegen in der Anlage V.