Kapitalflussrechnung: Definition, Aufbau, HGB & DRS 21, Beispiel
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Die Kapitalflussrechnung macht sichtbar, woher Geld im Unternehmen kommt und wohin es fließt. In diesem Artikel erfährst Du alles zu Definition, Aufbau, rechtlichen Vorgaben nach HGB und DRS 21 sowie ein praxisnahes Beispiel.
Definition der Kapitalflussrechnung
Die Kapitalflussrechnung ist ein zentrales Element des Jahresabschlusses. Sie dokumentiert, wie sich die Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente eines Unternehmens im Laufe einer Periode verändern. Damit wird nachvollziehbar, woher Geld kommt und wohin es fließt – gegliedert in operative Tätigkeit, Investitionen und Finanzierung.
Wozu dient die Kapitalflussrechnung?
Die Kapitalflussrechnung schafft Transparenz über die Liquidität. Während Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) vor allem Vermögens- und Ertragslage darstellen, zeigt sie die realen Zahlungsströme. Dadurch wird sichtbar, ob der erwirtschaftete Cashflow ausreicht, um Investitionen zu finanzieren, Kredite zu bedienen oder Dividenden zu zahlen.
Unterschied zwischen Kapitalflussrechnung, Bilanz und GuV
Bilanz und GuV sind wichtige Bestandteile des Jahresabschlusses, sie beantworten aber andere Fragen als die Kapitalflussrechnung. Erst im Zusammenspiel entsteht ein vollständiges Bild der wirtschaftlichen Lage.
- Bilanz: zeigt Vermögen und Schulden zu einem Stichtag.
- GuV: stellt Erträge und Aufwendungen einer Periode dar.
- Kapitalflussrechnung: bildet ausschließlich Ein- und Auszahlungen ab – unabhängig von bilanziellen Bewertungen.
Begriffsklarheit: Cashflow vs. Kapitalflussrechnung
Oft wird Cashflow als Synonym für eine Kapitalflussrechnung verwendet. Genau genommen ist der Cashflow aber eine Kennzahl: der Saldo von Ein- und Auszahlungen. Die Kapitalflussrechnung ist dagegen der Bericht, der diese Ströme systematisch nach Tätigkeitsbereichen aufschlüsselt und damit Bilanz und GuV ergänzt.
Aufbau der Kapitalflussrechnung
Die Kapitalflussrechnung ist nach festen Vorgaben strukturiert, damit Zahlungsströme klar und nachvollziehbar dargestellt werden. Grundlage bildet der Deutsche Rechnungslegungsstandard DRS 21, der Aufbau und Gliederung verbindlich vorgibt.
Drei Bereiche der Kapitalflussrechnung
Alle Ein- und Auszahlungen werden in drei klar abgegrenzten Bereichen zusammengefasst. So lässt sich erkennen, welche Aktivitäten Liquidität schaffen oder verbrauchen.
- Operative Tätigkeit: umfasst Einzahlungen aus Kundenforderungen sowie Auszahlungen für Lieferanten, Personal und Steuern.
- Investitionstätigkeit: zeigt Zahlungsflüsse rund um langfristige Vermögenswerte – zum Beispiel Käufe und Verkäufe von Maschinen oder Beteiligungen.
- Finanzierungstätigkeit: umfasst Kapitalaufnahmen, Tilgungen, Leasingzahlungen sowie gezahlte Dividenden und Zinsen.
Finanzmittelfonds in der Kapitalflussrechnung
Kernstück ist der Finanzmittelfonds. Er besteht aus Zahlungsmitteln (Kassenbestände, Bankguthaben) und Zahlungsmitteläquivalenten. Letztere sind kurzfristige, hochliquide Finanzinstrumente mit maximal drei Monaten Restlaufzeit und geringen Wertschwankungen. Diese klare Abgrenzung verhindert, dass längerfristige Anlagen das Liquiditätsbild verzerren.
Staffelform und Mindestgliederung nach DRS 21
Der Aufbau erfolgt stets in Staffelform: Zuerst der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit, dann Investition, anschließend Finanzierung. Die Mindestgliederung verlangt zudem eine Überleitung zum Finanzmittelfonds: Anfangsbestand plus Cashflows aus allen Bereichen ergeben den Endbestand. So ist sichergestellt, dass die Kapitalflussrechnung vollständig und prüfbar bleibt.
Kapitalflussrechnung nach HGB: Wann ist sie Pflicht?
Die Frage, ob eine Kapitalflussrechnung verpflichtend ist, hängt von der Art des Abschlusses und der Kapitalmarktorientierung ab. Das HGB unterscheidet dabei zwischen Konzernabschlüssen und bestimmten Einzelabschlüssen.
Kapitalflussrechnung im Konzernabschluss nach § 297 HGB
Nach § 297 Abs. 1 HGB ist die Kapitalflussrechnung fester Bestandteil jedes Konzernabschlusses. Neben Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang und Eigenkapitalspiegel muss sie zwingend enthalten sein. Der Gesetzgeber will so sicherstellen, dass die Liquiditätslage des gesamten Konzerns transparent nachvollziehbar bleibt.
Kapitalmarktorientierte Einzelabschlüsse nach § 264 Abs. 1 Satz 2 HGB
Auch für bestimmte Einzelgesellschaften besteht eine Pflicht. Kapitalmarktorientierte Unternehmen, die keinen Konzernabschluss erstellen, müssen ihren Jahresabschluss um eine Kapitalflussrechnung und einen Eigenkapitalspiegel erweitern. Für nicht kapitalmarktorientierte Gesellschaften gilt diese Regelung hingegen nicht.
Wer muss, wer nicht: Beispiele aus der Praxis
Die Pflicht betrifft also nicht jedes Unternehmen gleichermaßen.
- Pflicht: Konzerne (immer) sowie kapitalmarktorientierte Einzelgesellschaften ohne Konzernabschluss.
- Freiwillig: Mittelständische GmbHs oder Einzelunternehmen, die zusätzliche Transparenz schaffen möchten.
- Nicht erforderlich: Kleine und mittelgroße Gesellschaften ohne Börsennotierung.
Bezug zur internationalen Rechnungslegung (IFRS)
Unternehmen, die nach IFRS bilanzieren, müssen ebenfalls eine Kapitalflussrechnung erstellen. Grundlage ist der Standard IAS 7, der sie als primären Abschlussbestandteil definiert. Damit liegt die IFRS-Pflicht inhaltlich nahe bei den HGB-Vorgaben für kapitalmarktorientierte Unternehmen.
Kapitalflussrechnung nach DRS 21: Regeln und Besonderheiten
Der Deutsche Rechnungslegungsstandard Nr. 21 (DRS 21) regelt detailliert, wie eine Kapitalflussrechnung aufgestellt werden muss. Ziel ist ein einheitliches, vergleichbares Bild der Liquiditätslage. Der Standard gilt verbindlich für Konzernabschlüsse nach § 297 HGB, wird aber auch für freiwillige Kapitalflussrechnungen im Einzelabschluss ausdrücklich empfohlen.
Mindestgliederung und Staffelform nach DRS 21
Die Darstellung hat zwingend in Staffelform zu erfolgen. Das bedeutet: Die drei Cashflow-Bereiche – operativ, Investition und Finanzierung – werden nacheinander aufgeführt, jeweils als Bruttogröße. Am Ende folgt die Überleitung zum Finanzmittelfonds, also die Veränderung von Anfangs- zu Endbestand. So ist der Zusammenhang zu Bilanz und GuV jederzeit nachvollziehbar.
Finanzmittelfonds nach DRS 21: Besonderheiten und Abgrenzung
Während der Finanzmittelfonds im Grundsatz aus Zahlungsmitteln und kurzfristigen, hochliquiden Äquivalenten besteht, legt DRS 21 besonderen Wert auf die einheitliche Definition und Nachvollziehbarkeit:
- Konsistenzpflicht: Einmal gewählte Kriterien für die Abgrenzung des Finanzmittelfonds müssen über mehrere Berichtsperioden hinweg beibehalten werden.
- IFRS-Vergleich: Nach IAS 7 (IFRS) dürfen Unternehmen selbst entscheiden, ob sie bestimmte Geldanlagen (z. B. kurzfristige Wertpapiere) einbeziehen. DRS 21 ist hier strenger und schließt solche Vermögenswerte klar aus.
- Praxis-Hinweis: In der Prüfungspraxis wird oft beanstandet, wenn Festgelder mit einer Laufzeit über drei Monaten fälschlicherweise im Finanzmittelfonds auftauchen.
Zinsen, Dividenden und Saldierungsverbot
Besonders wichtig ist die Zuordnung von Zinsen und Dividenden:
- Erhaltene Zinsen und Dividenden → Investitionstätigkeit
- Gezahlte Zinsen und Dividenden → Finanzierungstätigkeit
Alle Beträge sind gesondert auszuweisen. Außerdem gilt der Grundsatz der unsaldierten Darstellung: Ein- und Auszahlungen werden brutto gezeigt, Ausnahmen sind nur in klar definierten Fällen erlaubt.
Abgrenzung zu IAS 7 (IFRS)
Während DRS 21 feste Zuordnungen definiert, bietet der internationale Standard IAS 7 Wahlrechte – zum Beispiel bei der Zuordnung von Zinsen. Damit ist die deutsche Regelung strenger, sorgt aber für einheitlichere und vergleichbarere Berichte.
Kapitalflussrechnung: indirekte Methode
Die indirekte Methode ist in der Praxis die am häufigsten genutzte Variante, um den operativen Cashflow zu ermitteln. Ausgangspunkt ist der Jahresüberschuss aus der Gewinn- und Verlustrechnung. Von dort wird schrittweise auf die tatsächlichen Zahlungsströme übergeleitet.
Ablauf der indirekten Methode
Der Kern dieser Methode liegt darin, nicht zahlungswirksame Effekte und Veränderungen im Working Capital zu berücksichtigen. Typische Schritte sind:
- Start mit dem Jahresüberschuss.
- Hinzurechnung von nicht zahlungswirksamen Aufwendungen (beispielsweise Abschreibungen).
- Abzug von nicht zahlungswirksamen Erträgen (zum Beispiel Gewinne aus dem Verkauf von Anlagen).
- Anpassungen für Veränderungen im Working Capital – etwa Vorräte, Forderungen und Verbindlichkeiten.
- Abzug der tatsächlich gezahlten Ertragsteuern.
So entsteht der Cashflow aus operativer Tätigkeit – er zeigt, wie viel Liquidität das Kerngeschäft erwirtschaftet.
Typische Korrekturen in der indirekten Kapitalflussrechnung
Um ein realistisches Bild zu erhalten, müssen bestimmte Punkte besonders beachtet werden:
- Abschreibungen/Zuschreibungen: erhöhen bzw. mindern das Ergebnis, ohne Zahlungswirkung.
- Rückstellungen: Veränderungen wirken sich auf den Cashflow aus.
- Ergebnisneutrale Abgänge: Gewinne aus Anlagenverkäufen gehören in den Cashflow aus Investitionstätigkeit.
- Working-Capital-Änderungen: steigende Forderungen binden Liquidität, steigende Verbindlichkeiten schaffen sie.
Die indirekte Methode verbindet somit Ergebnisrechnung und Liquidität – und macht sichtbar, wie Erträge in zahlungswirksame Mittelzuflüsse übersetzt werden.
Kapitalflussrechnung: Beispiel zur indirekten Methode mit Rechenweg
Am besten versteht man die Kapitalflussrechnung an einem konkreten Zahlenbeispiel. Wir betrachten ein Geschäftsjahr, in dem ein Unternehmen einen Jahresüberschuss von 100.000 € erzielt.
Operativer Cashflow
Ausgangspunkt ist der Jahresüberschuss. Dieser wird um Effekte bereinigt, die zwar im Ergebnis enthalten sind, aber keinen Geldfluss auslösen. Dazu gehören zum Beispiel Abschreibungen in Höhe von 60.000 € – sie mindern den Gewinn, ohne Liquidität zu kosten. Umgekehrt muss ein Gewinn aus dem Verkauf einer Maschine (8.000 €) wieder abgezogen werden, weil der tatsächliche Zufluss im Investitionsbereich erscheint.
Zusätzlich wirken Veränderungen im Working Capital:
- Vorräte steigen um 30.000 € → das bindet Liquidität.
- Forderungen nehmen um 20.000 € zu → ebenfalls negativer Effekt.
- Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten erhöhen sich um 15.000 € → das verschafft kurzfristig Liquidität.
- Schließlich werden die tatsächlich gezahlten Steuern (25.000 €) berücksichtigt. Das Ergebnis: Der operative Cashflow beträgt 92.000 €.
Cashflows aus Investition und Finanzierung
Im selben Jahr kauft das Unternehmen neue Maschinen für 150.000 € und erzielt aus Verkäufen Erlöse von 35.000 €. Der Cashflow aus Investitionstätigkeit liegt also bei –115.000 €. Zur Finanzierung nimmt es ein Darlehen über 80.000 € auf, tilgt 40.000 € und zahlt Dividenden von 20.000 € aus. Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit ergibt damit +20.000 €.
Überleitung Finanzmittelfonds
Addiert man die drei Bereiche (92.000 € – 115.000 € + 20.000 €), ergibt sich ein Gesamtzufluss von –3.000 €. Bei einem Anfangsbestand an Zahlungsmitteln von 50.000 € sinkt der Endbestand somit auf 47.000 €.
Das Beispiel verdeutlicht: Auch ein positives Ergebnis kann durch hohe Investitionen kurzfristig die Liquidität belasten – genau hier zeigt die Kapitalflussrechnung ihre Stärke.
Kapitalflussrechnung: direkte Methode
Neben der indirekten Variante erlaubt DRS 21 auch die direkte Methode zur Ermittlung des operativen Cashflows. Anders als bei der Überleitung vom Jahresüberschuss werden hier die tatsächlichen Ein- und Auszahlungen direkt ausgewiesen.
Der Vorteil: Diese Darstellung macht für Außenstehende besonders anschaulich, wie Liquidität entsteht und wofür sie verwendet wird. Statt Anpassungen am Ergebnis zeigt die direkte Methode beispielsweise, wie viel Geld Kunden tatsächlich überwiesen haben, welche Beträge an Lieferanten geflossen sind oder wie hoch die Steuerzahlungen waren.
In der Praxis sieht ein operativer Cashflow nach direkter Methode etwa so aus: Einzahlungen aus Umsatzerlösen werden den Auszahlungen für Lieferanten, Personal, Mieten und Steuern gegenübergestellt. Das ergibt den Nettozufluss aus laufender Geschäftstätigkeit.
Die Investitions- und Finanzierungstätigkeit werden ebenfalls in Bruttobeträgen ausgewiesen. Der Gesamtabschluss bleibt identisch: Operativ, Investition und Finanzierung summieren sich zur Veränderung des Finanzmittelfonds.
Trotz ihrer Transparenz wird die direkte Methode seltener genutzt, da viele Buchhaltungssysteme Zahlungen nicht nach diesem Schema erfassen. Für Unternehmen mit digitalem Zahlungsfluss kann sie jedoch wertvolle Klarheit schaffen.
Derivative vs. originäre Kapitalflussrechnung
Die Kapitalflussrechnung kann auf zwei Wegen erstellt werden: derivativ oder originär. Beide Methoden verfolgen dasselbe Ziel – die Darstellung der Liquiditätsbewegungen –, unterscheiden sich aber in der Vorgehensweise.
Derivative Kapitalflussrechnung: Ableitung aus Bilanz und GuV
Die derivative Methode leitet die Zahlungsströme aus den Veränderungen der Bilanzposten und den Ergebnissen der GuV ab. Sie ähnelt damit einer Bewegungsbilanz, ergänzt um Korrekturen für nicht zahlungswirksame Vorgänge. Der Vorteil: Sie lässt sich relativ schnell aus den vorhandenen Abschlussdaten erstellen. Der Nachteil ist: Weil es sich um eine indirekte Rekonstruktion handelt, können Abweichungen oder Fehlklassifikationen entstehen.
Originäre Kapitalflussrechnung: Direkt aus Zahlungsströmen
Die originäre Methode basiert unmittelbar auf den tatsächlichen Zahlungsflüssen, die etwa aus ERP-Systemen, Bankkonten oder Kassenbüchern übernommen werden. Damit entsteht ein präzises Bild der Liquidität, da keine Ableitung notwendig ist. Allerdings erfordert sie eine saubere und detaillierte Zahlungsdokumentation, was in der Praxis mehr Aufwand bedeutet.
Anwendungsfälle in der Praxis
Im Jahresabschluss wird meist die derivative Kapitalflussrechnung genutzt, da sie effizient aus den Abschlussdaten gewonnen werden kann. Originäre Daten eignen sich besonders für das Treasury, Liquiditätsplanung und Controlling, wo Genauigkeit und Aktualität im Vordergrund stehen.
Bewegungsbilanz vs. Kapitalflussrechnung
Die Bewegungsbilanz und die Kapitalflussrechnung klingen ähnlich, erfüllen aber unterschiedliche Zwecke. Beide betrachten Veränderungen im Unternehmen, unterscheiden sich jedoch in der Art der erfassten Daten.
Definition der Bewegungsbilanz
Die Bewegungsbilanz stellt dar, wie sich Bilanzposten zwischen zwei Stichtagen verändert haben. Sie zeigt also Quellen und Verwendungen von Mitteln – etwa eine Zunahme von Anlagevermögen oder einen Rückgang der Verbindlichkeiten. Damit bildet sie strukturelle Verschiebungen ab, ohne zwingend auf reale Geldflüsse einzugehen.
Unterschied Bewegungsbilanz vs. Kapitalflussrechnung
Die Kapitalflussrechnung geht einen Schritt weiter: Sie bildet ausschließlich Ein- und Auszahlungen ab. Das macht sie zum verlässlichen Instrument für die Analyse der Liquidität. Veränderungen, die keinen Geldfluss auslösen, wie Aktivtausch oder Rückstellungen, erscheinen nur in der Bewegungsbilanz, nicht aber in der Kapitalflussrechnung.
Beispiel im Vergleich
Kauft ein Unternehmen eine Maschine auf Kredit, zeigt die Bewegungsbilanz sofort eine Zunahme beim Anlagevermögen und den Verbindlichkeiten. In der Kapitalflussrechnung taucht der Vorgang jedoch erst auf, wenn die tatsächliche Zahlung an den Lieferanten erfolgt.
Die Bewegungsbilanz zeigt vor allem die Struktur, die Kapitalflussrechnung macht die tatsächlichen Geldflüsse sichtbar.
Erstellung der Kapitalflussrechnung: Checkliste, Vorlage & Tools
Die Erstellung der Kapitalflussrechnung erfordert eine saubere Datengrundlage und klare Prozesse. Nur so entsteht ein Bericht, der sowohl prüfungssicher ist als auch dem Management wertvolle Einblicke liefert.
Datenquellen für die Erstellung der Kapitalflussrechnung
Damit die Kapitalflussrechnung korrekt erstellt werden kann, müssen die relevanten Informationen aus verschiedenen Systemen zusammengeführt werden:
- ERP- und Hauptbuchhaltung: liefert Zahlen zu Abschreibungen, Rückstellungen oder nicht zahlungswirksamen Ergebniseffekten.
- Anlagenbuchhaltung: dokumentiert Käufe, Verkäufe und Buchwerte von Sachanlagen.
- Bank- und Kassendaten: bilden die tatsächlichen Ein- und Auszahlungen ab.
- Nebenbücher: Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung für Veränderungen im Working Capital.
Kontrollpunkte bei der Erstellung
Damit die Kapitalflussrechnung zuverlässig ist, sollten bestimmte Prüfpunkte immer beachtet werden:
- Abgleich mit Bilanz: Anfangs- und Endbestand des Finanzmittelfonds müssen identisch zu den ausgewiesenen Zahlungsmitteln sein.
- Überleitungsrechnung: Gerade bei der indirekten Methode müssen alle Anpassungen plausibel dokumentiert sein.
- Fremdwährungseffekte: Wechselkursänderungen beeinflussen die Liquidität und sind gesondert darzustellen.
Vorlage für die Kapitalflussrechnung
Eine Kapitalflussrechnung lässt sich mit etwas Excel-Know-how zwar selbst aufbauen – deutlich einfacher ist es aber, eine geprüfte Struktur zu nutzen. Unsere Vorlage bildet die drei Cashflow-Bereiche operativ, Investition und Finanzierung sowie die Überleitung zum Finanzmittelfonds in klarer Staffelform ab.
Die Vorlage ist so gestaltet, dass Ein- und Auszahlungen getrennt erfasst werden. Dadurch bleibt die Darstellung unsaldiert und entspricht den Vorgaben von DRS 21. Ergänzt werden kann sie flexibel um eigene Kategorien oder zusätzliche Erläuterungen.
So nutzt Du die Vorlage:
- Trage im Tabellenblatt „Buchungen“ alle zahlungswirksamen Vorgänge des Geschäftsjahres ein – jeweils als Einzahlung oder Auszahlung.
- Sie berechnet daraus automatisch die Saldos für CFO, CFI und CFF.
- In der „Überleitung“ wird der Anfangsbestand des Finanzmittelfonds um die Veränderungen aus allen Bereichen ergänzt und so der Endbestand ermittelt.
Damit erhältst Du eine vollständig strukturierte Kapitalflussrechnung, die sowohl für interne Auswertungen als auch für die Erstellung eines HGB-Abschlusses nutzbar ist.
Hier kannst Du die Excel-Vorlage kostenlos herunterladen und direkt einsetzen.
Download
Prozess-Owner und Deadlines im Finanzteam
Die Verantwortung für die Kapitalflussrechnung liegt meist bei der Leitung Rechnungswesen oder der Konzernrechnungslegung. Für die Datenlieferung sind Controlling und Treasury eingebunden. Im Monats- oder Quartalsabschluss sollte die Kapitalflussrechnung parallel zu Bilanz und GuV erstellt und geprüft werden – so bleibt der Abschlussprozess effizient und konsistent.
Häufige Fehler in der Kapitalflussrechnung – und wie Du sie vermeidest
Die Kapitalflussrechnung ist ein mächtiges Analyseinstrument – wenn sie korrekt erstellt wird. In der Praxis schleichen sich jedoch typische Fehler ein, die das Bild der Liquidität verzerren. Mit diesen Hinweisen lassen sie sich vermeiden.
Falsche Klassifikation von Zinsen und Dividenden
Nach DRS 21 gehören erhaltene Zinsen und Dividenden in den Cashflow aus Investitionstätigkeit, gezahlte Zinsen und Dividenden in die Finanzierung. Werden sie stattdessen im operativen Bereich verbucht, wirkt das Kerngeschäft künstlich besser oder schlechter.
Praxis-Tipp: Lege im Kontenrahmen klare Buchungscodes für diese Positionen fest.
Verwechslung interner und externer Zahlungsströme
Nur externe Zahlungsströme zählen. Interne Umbuchungen – beispielsweise von Giro- auf Festgeldkonto – sind nicht cashwirksam.
Praxis-Tipp: Markiere interne Bewegungen im ERP, damit sie bei der Erstellung automatisch ausgeschlossen werden.
Übersehen von Working-Capital-Effekten
Vorräte, Forderungen und Verbindlichkeiten beeinflussen die Liquidität direkt. Wer diese Veränderungen nicht erfasst, unterschätzt oder überschätzt den operativen Cashflow.
Beispiel: Eine Forderungszunahme um 50.000 € bedeutet Liquiditätsabfluss – auch wenn Umsatz und Gewinn steigen.
Fehlende unsaldierte Darstellung
DRS 21 schreibt vor: Ein- und Auszahlungen müssen brutto gezeigt werden. Saldierungen nehmen Transparenz und verstoßen gegen die Vorschriften.
Kein Abgleich mit dem Finanzmittelfonds
Am Ende muss der ausgewiesene Endbestand exakt den Zahlungsmitteln in der Bilanz entsprechen. Fehlt dieser Abgleich, verliert die Kapitalflussrechnung ihre Prüfbarkeit.
Wer diese Stolperfallen kennt und systematisch prüft, erstellt eine Kapitalflussrechnung, die verlässlich, transparent und entscheidungsrelevant ist.
FAQ
Wer ist verpflichtet, eine Kapitalflussrechnung nach HGB oder DRS 21 abzugeben?
Nach § 297 HGB ist die Kapitalflussrechnung Pflichtbestandteil jedes Konzernabschlusses. Zusätzlich verpflichtet § 264 Abs. 1 Satz 2 HGB kapitalmarktorientierte Einzelgesellschaften ohne Konzernabschluss. Alle anderen Unternehmen können freiwillig eine Kapitalflussrechnung erstellen. DRS 21 ist für Konzerne verbindlich, für freiwillige Einzelabschlüsse aber als Standard empfohlen.
Welche Methode der Kapitalflussrechnung ist besser: direkte oder indirekte Methode?
Beide Methoden sind zulässig und führen zum gleichen Ergebnis, unterscheiden sich aber im Ansatz. Die indirekte Methode ist in der Praxis verbreiteter, weil sie schnell aus Bilanz und GuV abgeleitet werden kann. Die direkte Methode ist anschaulicher, zeigt reale Zahlungsströme, erfordert jedoch detaillierte Daten aus Bank und ERP. Für den Jahresabschluss reicht meist die indirekte Methode, für Liquiditätsanalysen ist die direkte oft hilfreicher.
Was für einen Nutzen hat die Kapitalflussrechnung für Unternehmen und Investoren?
Die Kapitalflussrechnung ergänzt Bilanz und GuV um die Dimension der Liquidität. Unternehmen sehen, ob das operative Geschäft genug Geld erwirtschaftet, um Investitionen und Finanzierungen zu decken. Investoren und Banken nutzen die Kapitalflussrechnung, um Risiken einzuschätzen – etwa ob ein Unternehmen trotz Gewinn knapp bei Kasse ist. So wird sie zum Instrument für Finanzplanung, Kreditwürdigkeit und Investorenkommunikation.
Was ist der DRS 21?
Der Deutsche Rechnungslegungsstandard Nr. 21 konkretisiert, wie Kapitalflussrechnungen nach HGB erstellt werden. Er definiert den Finanzmittelfonds, schreibt Staffelform und Mindestgliederung vor und ordnet Zinsen sowie Dividenden klar den Bereichen Investition und Finanzierung zu. Damit sorgt DRS 21 für Vergleichbarkeit und Transparenz in deutschen Abschlüssen.