Kostenträgerrechnung: Definition, Arten & Beispiel (mit Schema)

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Die Kostenträgerrechnung zeigt Dir, wofür Kosten tatsächlich anfallen. In diesem Artikel erhältst Du eine klare Definition, lernst die wichtigsten Arten kennen und siehst ein kompaktes Beispiel mit Schema und Kalkulationsverfahren.

Was ist eine Kostenträgerrechnung? Definition und Grundlagen

Die Kostenträgerrechnung ist der letzte Schritt der Kostenrechnung. Während die Kostenartenrechnung klärt, welche Kosten entstanden sind, und die Kostenstellenrechnung zeigt, wo sie entstanden sind, beantwortet die Kostenträgerrechnung die Frage: Wofür sind die Kosten angefallen?

Kurz gesagt: Sie ordnet alle Einzel- und Gemeinkosten den jeweiligen Produkten, Aufträgen oder Dienstleistungen zu – also den Kostenträgern. Damit liefert sie eine klare Grundlage für Preisgestaltung, Bestandsbewertung und Erfolgskontrolle.

Warum ist die Kostenträgerrechnung so wichtig?

Die Aufgabe der Kostenträgerrechnung ist es, Transparenz über die Herstell- und Selbstkosten zu schaffen. Ohne diese Übersicht bleibt unklar, ob ein Produkt oder Service tatsächlich profitabel ist. Ein Beispiel: Wird ein Produkt für 80 € verkauft, verursacht aber 90 € Selbstkosten, entsteht unbemerkt ein Verlust – genau hier greift die Kostenträgerrechnung ein.

Ihr praktischer Nutzen zeigt sich in mehreren Bereichen:

Darüber hinaus ist die Kostenträgerrechnung auch für die externe Rechnungslegung bedeutsam. Herstellungskosten nach HGB bestimmen, zu welchem Wert Vorräte und unfertige Leistungen in der Bilanz angesetzt werden dürfen. Für Selbstständige und Unternehmer:innen sind diese Informationen unverzichtbar – sei es im Gespräch mit Banken, für Förderanträge oder bei steuerlichen Prüfungen.

Damit ist die Kostenträgerrechnung ein zentrales Instrument, um intern bessere Entscheidungen zu treffen und extern rechtssichere Zahlen vorweisen zu können.

Das große Ganze: Wo die Kostenträgerrechnung einzuordnen ist

Die Kostenträgerrechnung ist kein isoliertes Instrument, sondern Teil eines klar aufgebauten Systems. Gemeinsam mit der Kostenarten- und der Kostenstellenrechnung bildet sie die drei Stufen der internen Kostenrechnung. Jede Stufe beantwortet dabei eine andere zentrale Frage:

Besonders wichtig ist die Schnittstelle zwischen Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung: Einzelkosten lassen sich direkt einem Kostenträger zuordnen. Gemeinkosten hingegen werden zuerst in den Kostenstellen gesammelt. Anschließend verteilt man sie mithilfe von Schlüsseln – etwa Maschinenstunden oder Materialverbrauch – auf die Kostenträger.

Beispiel: Nehmen wir an, die Stromkosten betragen 10.000 €. In der Kostenstellenrechnung werden davon 7.000 € der Fertigung und 3.000 € der Verwaltung zugeordnet. In der Kostenträgerrechnung fließen die 7.000 € als Zuschlag auf die gefertigten Produkte ein, während die 3.000 € über Verwaltungsgemeinkosten verteilt werden.

So entsteht eine durchgängige Logik: von der Art der Kosten über den Ort ihrer Entstehung bis hin zum konkreten Verwendungszweck. Die Kostenträgerrechnung bildet damit den Abschluss und liefert den entscheidenden Nachweis, ob ein Angebot, Produkt oder Service wirtschaftlich tragfähig ist.

Die zwei Hauptarten der Kostenträgerrechnung

Die Kostenträgerrechnung lässt sich in zwei Ansätze unterteilen – je nachdem, ob die Kosten pro Stück oder für einen Zeitraum betrachtet werden. Beide Perspektiven ergänzen sich und liefern wertvolle Informationen für das Management.

Kostenträgerstückrechnung (Kalkulation)

Hier werden die Kosten pro Einheit berechnet, also pro Produkt, Auftrag oder Dienstleistung. Grundlage sind die Einzelkosten sowie die über Zuschläge verteilten Gemeinkosten. Der Zweck liegt vor allem in der Preiskalkulation und Angebotskalkulation.

Unternehmer:innen können mit diesen Daten Preisuntergrenzen bestimmen und Angebote belastbar kalkulieren. Damit ist die Stückrechnung das zentrale Werkzeug, um Produkte wettbewerbsfähig und zugleich profitabel zu bepreisen.

Beispiel: Die Herstellung von 1.000 Stück verursacht insgesamt 50.000 €. Daraus ergeben sich Stückkosten von 50 €.

Kostenträgerzeitrechnung (Erfolgsrechnung)

Im Unterschied dazu fasst die Zeitrechnung alle Kosten und Leistungen innerhalb einer Periode zusammen. Damit zeigt sie, ob das Unternehmen kurzfristig profitabel arbeitet. Sie dient der Analyse der Rentabilität und des Betriebsergebnisses und ist eng mit der Gewinn- und Verlustrechnung verknüpft.

Beispiel: In einem Monat entstehen Gesamtkosten von 120.000 €, die Umsätze betragen 150.000 €. Das Betriebsergebnis liegt damit bei 30.000 €.

In der Praxis zeigt sich zudem die Verbindung zur externen Rechnungslegung nach § 275 HGB: Unternehmen können die Gewinn- und Verlustrechnung entweder nach dem Gesamtkostenverfahren oder nach dem Umsatzkostenverfahren aufstellen. Beide Methoden greifen die Logik der Kostenträgerzeitrechnung auf – einmal aus Sicht der Kostenarten, einmal aus Sicht der abgesetzten Kostenträger.

Beide Verfahren liefern also unterschiedliche, aber komplementäre Informationen: Stückkosten für Preise – Periodenkosten für den Erfolg.

Verfahren der Kostenträgerstückrechnung: Beispiele für die Praxis

Die Kostenträgerstückrechnung ermittelt die Kosten pro Einheit und ist damit das Fundament jeder Preiskalkulation. Sie beantwortet die Frage, wie teuer ein Produkt, Auftrag oder Service tatsächlich ist. In der Praxis haben sich drei Verfahren etabliert, die je nach Produktionssituation eingesetzt werden: einfache Divisionskalkulation, Zuschlagskalkulation und Äquivalenzziffernkalkulation.

Einfache Divisionskalkulation

Dieses Verfahren eignet sich, wenn nur ein homogenes Produkt in großen Stückzahlen hergestellt wird. Die Logik ist denkbar einfach: Alle Gesamtkosten einer Periode werden durch die produzierte Menge geteilt.

Formel: Stückkosten = Gesamtkosten ÷ Ausbringungsmenge

Beispiel zur Kostenträgerrechnung: Ein Unternehmen produziert 10.000 identische Gläser. Die Gesamtkosten liegen bei 120.000 €. Daraus ergeben sich Stückkosten von 120.000 € ÷ 10.000 = 12,00 € pro Glas.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Methode ist leicht verständlich und schnell zu berechnen.

Der Nachteil: Sie ist nur sinnvoll, wenn wirklich homogene Produkte entstehen. Sobald Varianten oder Mischkosten auftreten, stößt sie an ihre Grenzen.

Zuschlagskalkulation

Die Zuschlagskalkulation ist das wichtigste Verfahren in der Praxis. Sie wird eingesetzt, sobald ein Unternehmen unterschiedliche Produkte oder Aufträge fertigt, die verschiedene Kostenarten verursachen. Der Grundgedanke: Einzelkosten werden direkt dem Kostenträger zugeordnet, Gemeinkosten dagegen über Zuschlagssätze verteilt.

Einzelkosten sind direkt zurechenbar, zum Beispiel Materialeinzelkosten (etwa Holz für einen Tisch) oder Fertigungslöhne.

Gemeinkosten fallen für mehrere Produkte gleichzeitig an, etwa Miete, Energie oder Verwaltung. Sie lassen sich nicht direkt einem Produkt zuordnen und werden deshalb mithilfe von Zuschlägen auf Basis geeigneter Bezugsgrößen (Materialwert, Lohnsumme, Maschinenstunden) verteilt.

Schema der Kostenträgerrechnung (Kalkulationsschema)

Materialeinzelkosten

+ Materialgemeinkosten

= Materialkosten

 

+ Fertigungseinzelkosten

+ Fertigungsgemeinkosten

+ Sondereinzelkosten der Fertigung

= Herstellkosten

 

+ Verwaltungsgemeinkosten

+ Vertriebsgemeinkosten

= Selbstkosten

 

+ Gewinnzuschlag

= Nettoverkaufspreis

+ Umsatzsteuer

= Bruttoverkaufspreis

Detailliertes Rechenbeispiel

Ein Möbelhersteller fertigt 1.000 Stühle.

Berechnung:

  1. Materialkosten = 25.000 € + 3.000 € = 28.000 €
  2. Fertigungskosten = 15.000 € + 12.000 € + 1.000 € = 28.000 €
  3. Herstellkosten = 28.000 € + 28.000 € = 56.000 €
  4. VwGK = 5 % von 56.000 € = 2.800 €
  5. VtGK = 3 % von 56.000 € = 1.680 €
  6. Selbstkosten = 56.000 € + 2.800 € + 1.680 € = 60.480 €
  7. Selbstkosten pro Stück = 60.480 € ÷ 1.000 = 60,48 €

Soll zusätzlich ein Gewinnzuschlag von 10 % kalkuliert werden, ergibt sich ein Nettoverkaufspreis von 66,53 € pro Stück.

Die Zuschlagskalkulation macht transparent, wie sich der Preis zusammensetzt. Sie erlaubt es, Angebote belastbar zu kalkulieren und Preispolitik faktenbasiert zu steuern.

Äquivalenzziffernkalkulation

Dieses Verfahren wird genutzt, wenn mehrere Produktvarianten entstehen, die zwar ähnlich, aber nicht identisch sind – zum Beispiel Getränke in verschiedenen Größen oder Verpackungseinheiten.

Da die Varianten unterschiedliche Mengen an Ressourcen verbrauchen, wird für jede Variante eine Äquivalenzziffer festgelegt. Diese beschreibt das Verhältnis zum Basisprodukt.

Beispiel: Kalkulation zur Kostenträgerrechnung

Eine Bäckerei produziert drei Brotsorten:

Die Gesamtkosten betragen 180.000 €.

Die gewichtete Menge ergibt sich zu: (2.000×1) + (2.000×2) + (1.000×3) = 9.000 Einheiten.

Kosten je Ziffer = 180.000 € ÷ 9.000 = 20 €.

Die Stückkosten betragen:

Die Äquivalenzziffernkalkulation ermöglicht so eine verursachungsgerechte Verteilung der Kosten auf verschiedene Varianten und macht Kostenunterschiede transparent.

Verbindung zu den Arten der Kostenträgerrechnung

Alle genannten Verfahren gehören zur Kostenträgerstückrechnung. Sie dienen in erster Linie der Kalkulation pro Einheit und sind damit ein praktisches Werkzeug für Preisfindung und Angebotsgestaltung. Im Gegensatz dazu betrachtet die Kostenträgerzeitrechnung ganze Perioden und liefert Informationen über die kurzfristige Rentabilität.

Für Unternehmer:innen ist die Kombination entscheidend: Mit der Stückrechnung kalkulieren sie Angebote und Preise, mit der Zeitrechnung überprüfen sie den Gesamterfolg. So entsteht ein ganzheitliches Bild der Wirtschaftlichkeit.

Vollkosten- vs. Teilkostenrechnung im Kontext der Kostenträgerrechnung

Neben den klassischen Kalkulationsverfahren spielt auch die Frage eine Rolle, ob alle Kosten oder nur die variablen Kosten berücksichtigt werden sollen. Hier unterscheidet man zwischen Vollkosten- und Teilkostenrechnung.

Vollkostenrechnung

Alle entstandenen Kosten – sowohl fixe als auch variable – werden auf die Kostenträger verteilt. Damit entstehen vollständige Stückkosten, die sich gut für Preisuntergrenzen auf lange Sicht, für die Bewertung von Lagerbeständen und für standardisierte Angebote eignen. Ihr Nachteil: Fixkosten erscheinen auf jedem Produkt, auch wenn diese unabhängig von der Produktionsmenge sind.

Teilkostenrechnung

Hier werden nur die variablen Kosten einem Kostenträger zugerechnet. Fixe Kosten bleiben zunächst unverteilt und werden später separat betrachtet. Dadurch entsteht der Deckungsbeitrag, also die Differenz zwischen Erlösen und variablen Kosten. Diese Sichtweise eignet sich besonders für kurzfristige Entscheidungen, etwa Zusatzaufträge, Engpasssituationen oder die Frage „Make or Buy?“.

Beispiel: Ein Unternehmen hat fixe Kosten von 50.000 € pro Monat. Ein zusätzlicher Auftrag bringt Umsatzerlöse von 5.000 € und verursacht 3.000 € variable Kosten. Die Vollkostenrechnung würde diesen Auftrag möglicherweise als unprofitabel einstufen, da er die Fixkosten nicht deckt. Die Teilkostenrechnung zeigt jedoch einen positiven Deckungsbeitrag von 2.000 € – und macht damit klar, dass sich der Auftrag kurzfristig lohnt.

Grenzen: Für die langfristige Preis- und Programmplanung ist die Teilkostenrechnung jedoch nicht geeignet, weil sie die Fixkosten unberücksichtigt lässt. Hier ist die Vollkostenrechnung zwingend notwendig, um dauerhaft kostendeckende Preise und ein nachhaltiges Ergebnis sicherzustellen.

Wann welche Methode sinnvoll ist:

So ergänzen sich beide Ansätze – die Vollkostenrechnung schafft Stabilität, die Teilkostenrechnung Flexibilität.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Kostenstellen und Kostenträgern?

Kostenstellen zeigen, wo Kosten entstehen, zum Beispiel in Abteilungen, Maschinen oder Bereichen. Kostenträger sind die Objekte, für die Kosten anfallen – also Produkte, Aufträge oder Dienstleistungen. Die Verbindung: Gemeinkosten werden zunächst den Kostenstellen zugeordnet und anschließend auf die Kostenträger verteilt.

Was ist der Unterschied zwischen Kostenträgerstückrechnung und Kostenträgerzeitrechnung?

Die Stückrechnung berechnet die Kosten pro Einheit und ist damit Grundlage für Preise und Angebote. Die Zeitrechnung betrachtet dagegen alle Kosten und Leistungen einer Periode und zeigt, ob das Unternehmen kurzfristig profitabel arbeitet.

Wie berechnet man die Selbstkosten in der Kostenträgerrechnung (mit Formel)?

Die Selbstkosten ergeben sich nach einem festen Schema:
Selbstkosten = Herstellkosten + Verwaltungsgemeinkosten + Vertriebsgemeinkosten
So erhält man für jedes Produkt oder Projekt einen belastbaren Kostenwert, der als Basis für Preisentscheidungen dient.

Was sind Einzelkosten und Gemeinkosten in der Kostenträgerrechnung?

Einzelkosten lassen sich direkt einem Kostenträger zuordnen, etwa Material oder Fertigungslöhne. Gemeinkosten fallen für mehrere Kostenträger gleichzeitig an, zum Beispiel Miete oder Verwaltung. Sie werden mithilfe von Zuschlagssätzen verteilt.

Welche Kalkulationsverfahren der Kostenträgerrechnung gibt es und wann setzt man sie ein?


Welches Verfahren genutzt wird, hängt von der Produktionsstruktur und dem Kalkulationsziel ab.