Gewerbesteuerhebesatz 2026
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Der Gewerbesteuerhebesatz ist der entscheidende Faktor der Gewerbesteuer – einer der wichtigsten Unternehmensabgaben Deutschlands – und bestimmt maßgeblich, wie attraktiv ein Standort für Gründer:innen ist.
Was ist der Gewerbesteuerhebesatz?
Der Gewerbesteuerhebesatz ist ein von den Gemeinden festgelegter Prozentsatz, der zur Berechnung der tatsächlichen Gewerbesteuer auf den sogenannten Gewerbesteuermessbetrag angewendet wird.
Dieser Hebesatz ist in § 16 Gewerbesteuergesetz (GewStG) geregelt und erlaubt es Kommunen, die Höhe der Gewerbesteuer flexibel zu gestalten.
Alle inländischen gewerblich tätigen Unternehmen – darunter Einzelunternehmen, Personengesellschaften wie GbR und OHG und Kapitalgesellschaften, beispielsweise GmbH oder AG – sind grundsätzlich gewerbesteuerpflichtig. Freiberufler:innen sind hingegen davon ausgenommen.
Gewerbesteuerhebesatz berechnen: So funktioniert es
Um herauszufinden, wie viel Du zahlen musst, brauchst Du vor allem eins: den richtigen Gewerbesteuerhebesatz.
Die Auswirkungen des Gewerbesteuerhebesatzes sind je nach Rechtsform eines Unternehmens unterschiedlich spürbar – vor allem bei der steuerlichen Belastung. Kapitalgesellschaften wie GmbHs oder Aktiengesellschaften sind ohne Freibetrag voll gewerbesteuerpflichtig. Dabei unterliegt der gesamte Gewerbeertrag der Steuer. Die gezahlte Gewerbesteuer wird außerdem nicht auf die Körperschaftsteuer angerechnet, was zu einer höheren Gesamtsteuerlast führen kann.
Personengesellschaften – beispielsweise oHG und GbR – und Einzelunternehmen profitieren gemäß § 11 GewStG hingegen von einem Freibetrag in Höhe von 24.500 €. Das bedeutet: Erst auf den Ertrag oberhalb dieser Grenze fällt tatsächlich Gewerbesteuer an.
Zudem kann ein Teil der gezahlten Gewerbesteuer nach § 35 EStG auf die Einkommensteuer des:r Inhaber:in angerechnet werden, was die tatsächliche Steuerlast reduziert.
Die Berechnung der Gewerbesteuer erfolgt in drei Schritten:
-
Ermittlung des Gewerbeertrags: Der Gewerbeertrag ergibt sich in der Regel aus dem Gewinn laut Steuerbilanz, der um bestimmte Hinzurechnungen und Kürzungen gemäß § 8 und § 9 GewStG angepasst wird.
-
Berechnung des Messbetrags: Der ermittelte Gewerbeertrag wird nun mit dem einheitlichen Steuersatz von 3,5 % multipliziert, um den sogenannten Gewerbesteuermessbetrag zu berechnen.
-
Anwendung des Hebesatzes: Zuletzt wird der Messbetrag mit dem Gewerbesteuerhebesatz verrechnet. Die Formel hierfür lautet:
Gewerbesteuer = Messbetrag Hebesatz in %
Ein Beispiel: Nehmen wir an, ein Unternehmen in München – wo der Hebesatz bei 490 % liegt – erzielt einen Gewerbeertrag von 100.000 €. Die Berechnung läuft folgendermaßen ab:
→ Messbetrag = 100.000 € 3,5 % = 3.500 €
→ Gewerbesteuer = 3.500 € 490 % = 17.150 €
In Berlin liegt der Hebesatz hingegen bei 410 %. Daraus ergibt sich dann:
3.500 € (Messbetrag)410 % = 14.350 € Gewerbesteuer
Somit ergibt sich eine Steuerlast, die um 2.800 € niedriger ist als in München, obwohl der Gewinn derselbe bleibt. Es zeigt sich also, dass der Standort einen erheblichen Unterschied machen kann.
Aktuelle Gewerbesteuerhebesätze in Deutschland (2025)
Der Hebesatz unterscheidet sich je nach Gemeinde stark – die Sätze reichen von 200 % bis etwa 600 %. Durchschnittlich liegt der Gewerbesteuerhebesatz in Deutschland bei rund 400 %. Die Festlegung des Hebesatzes wird durch Infrastrukturkosten, Haushaltslage und wirtschaftspolitische Ziele des Standortes beeinflusst. Metropolen mit hoher wirtschaftlicher Nachfrage setzen oft höhere Sätze an, um ihre Einnahmen zu steigern.
Tabelle: Gewerbesteuerhebesätze 2025 der größten Städte
In der folgenden Tabelle findest Du eine Auswahl der größten Städte Deutschlands mit ihren aktuellen Hebesätzen für das Jahr 2025.
|
Stadt |
Gewerbesteuerhebesatz 2025 |
|---|---|
|
München |
490 % |
|
Berlin |
410 % |
|
Frankfurt a. M. |
460 % |
|
Köln |
475 % |
|
Hamburg |
470 % |
|
Stuttgart |
420 % |
|
Düsseldorf |
440 % |
Wo ist der niedrigste Gewerbesteuerhebesatz in Deutschland?
Einige Gemeinden setzen gezielt niedrige Hebesätze ein, um Unternehmen anzulocken. Besonders bekannt sind folgende Städte:
-
Langenwolschendorf (Thüringen) – 200 %
-
Schönefeld (Brandenburg) – 240 %
-
Monheim am Rhein (NRW) – 250 %
Für viele Unternehmen kann ein solcher niedriger Hebesatz ein entscheidender Standortvorteil sein – vor allem in der Gründungs- oder Wachstumsphase.
Welche Vorteile bringt ein günstiger Gewerbesteuerhebesatz Unternehmen?
Ein attraktiver Hebesatz bedeutet für Unternehmen oft mehr als nur Steuerersparnis. Er wirkt sich direkt auf ihre Wettbewerbsfähigkeit und Planungssicherheit aus.
So ist er für Unternehmen nicht nur eine direkt spürbare Entlastung in Bezug auf die Steuerlast, sondern bietet auch einen klaren Wettbewerbsvorteil. Wird weniger Gewerbesteuer gezahlt, steht mehr finanzieller Spielraum für Investitionen, Personal oder Innovation zur Verfügung. Hinzu kommt ein Plus an Planungssicherheit, denn Gemeinden mit konstant niedrigen Hebesätzen gelten als besonders wirtschaftsfreundlich und berechenbar.
Gerade für Start-ups oder expandierende KMU kann ein günstiger Hebesatz den Unterschied machen und langfristig zum entscheidenden Standortvorteil werden.
Städte mit dem höchsten Gewerbesteuerhebesatz in Deutschland
In Deutschland legen die Gemeinden den Gewerbesteuerhebesatz individuell fest – mit teils erheblichen Unterschieden. Während einige Orte mit niedrigen Hebesätzen gezielt neue Unternehmen anziehen möchten, verfolgen andere eine entgegengesetzte Strategie. Besonders in größeren Städten und wirtschaftlich stark belasteten Kommunen finden sich häufig sehr hohe Hebesätze.
Für Unternehmen bedeutet das eine höhere Steuerlast. Dennoch nehmen viele diese bewusst in Kauf, wenn der Standort andere strategische Vorteile bietet.
|
Stadt/Gemeinde |
Hebesatz |
|---|---|
|
Oberhausen |
580 % |
|
Mülheim an der Ruhr |
580 % |
|
Wettlingen (RP) |
600 % |
|
Inden (NRW) |
700 % |
|
Essen |
480 % |
|
München |
490 % |
|
Wuppertal |
490 % |
|
Köln |
475 % |
|
Dortmund |
485 % |
|
Duisburg |
495 % |
Mit Hebesätzen von teils weit über 450 % liegen diese Städte deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt, der sich seit Jahren bei rund 400 % einpendelt. Besonders in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern ist ein solcher Trend zu beobachten. Während kleinere Gemeinden niedrigere Sätze anbieten, nutzen Großstädte also ihren Standortvorteil, um sich über die Gewerbesteuer stabile Einnahmen zu sichern.
Für Unternehmen lohnt sich daher ein genauer Blick auf die steuerlichen Rahmenbedingungen. Schon ein Unterschied von wenigen Prozentpunkten kann sich jährlich stark auf die Steuerlast auswirken.
Gründe für hohe Hebesätze
Städte mit einem besonders hohen Gewerbesteuerhebesatz stehen häufig vor komplexen finanziellen Herausforderungen. Sie nutzen die zusätzlichen Einnahmen, um überregionale Aufgaben zu bewältigen, beispielsweise große Infrastrukturprojekte wie den Ausbau von Straßen, Brücken oder öffentlichem Nahverkehr.
Auch Investitionen in Bildungseinrichtungen, digitale Verwaltung, soziale Dienste und kulturelle Angebote werden über Steuereinnahmen finanziert. Der Grund, warum viele Großstädte oder Ballungszentren einen hohen Gewerbesteuerhebesatz ansetzen, liegt also in ihrem besonders hohen Bedarf an öffentlicher Versorgung.
Was bedeutet der Hebesatz für Deine Standortwahl?
Für Unternehmer:innen kann der Gewerbesteuerhebesatz ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl des Firmensitzes sein. Besonders für kleinere oder junge Unternehmen kann sich eine Gewerbesteuerbelastung von mehreren Tausend Euro jährlich spürbar auf den Gewinn auswirken.
Wenn Du einen passenden Standort suchst, betrachte den Hebesatz aber nie isoliert. Beziehe mehrere Aspekte in Deine Entscheidung ein:
-
Vergleiche Gemeinden im Einzugsgebiet von Ballungsräumen – dort unterscheiden sich die Hebesätze oft deutlich.
-
Berücksichtige auch Mietkosten, Fachkräfteangebot, Infrastruktur und Kundennähe. Günstige Rahmenbedingungen können den Vorteil eines niedrigen Hebesatzes übertreffen.
-
Ziehe die gesamten steuerlichen Kosten (z. B. Einkommen- oder Körperschaftsteuer) in Deine Kalkulation ein, nicht nur die Gewerbesteuer.
Neu hinzufügt:
-
Prüfe die Hebesatz-Historie und Haushaltspläne der Kommune. Eine geplante Erhöhung kann den heute günstigen Standort morgen verteuern.
-
Informiere Dich über mögliche Ansiedlungsprämien oder Förderprogramme, die manche Gemeinden zusätzlich zu niedrigen Hebesätzen anbieten.
-
Berücksichtige Branchenschwerpunkte (Cluster): In Regionen mit thematisch passenden Netzwerken können Synergie-Effekte höhere Hebesätze langfristig kompensieren.
Eine durchdachte Standortwahl berücksichtigt also sowohl steuerliche Kennzahlen als auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen – beides beeinflusst Deine Wettbewerbsfähigkeit und Dein Wachstumspotenzial.
FAQ
Was ist der Gewerbesteuerhebesatz?
Der Gewerbesteuerhebesatz ist ein von jeder Gemeinde festgelegter Prozentsatz, der mit dem jeweiligen Steuermessbetrag des Unternehmens multipliziert wird. Er bestimmt somit die tatsächliche Höhe der zu zahlenden Gewerbesteuer und kann je nach Standort stark variieren.
Welche Gemeinde und Stadt hat den niedrigsten Gewerbesteuerhebesatz?
Einen der niedrigsten Gewerbesteuerhebesätze in Deutschland verzeichnet derzeit die Gemeinde Langenwolschendorf in Thüringen mit einem Satz von nur 200 %. Einen ebenfalls unterdurchschnittlichen Hebesatz bietet Monheim am Rhein mit 250 %.
Wie hoch ist der durchschnittliche Hebesatz in Deutschland?
Der durchschnittliche Gewerbesteuerhebesatz liegt bei etwa 400 %. In Großstädten ist der Satz meist deutlich höher, in ländlichen oder wirtschaftlich aktiven Regionen hingegen oft niedriger.
Muss jedes Unternehmen Gewerbesteuer zahlen?
Nein. Gewerbesteuerpflichtig sind grundsätzlich alle gewerblich tätigen Unternehmen wie Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften. Freiberufler:innen sowie bestimmte gemeinnützige Organisationen sind hingegen nicht gewerbesteuerpflichtig. Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften gilt zudem ein jährlicher Freibetrag von 24.500 €.
Warum gibt es unterschiedliche Hebesätze?
Da jede Stadt oder Gemeinde in Deutschland ihren Hebesatz autonom festlegen darf, entstehen regionale Unterschiede. Seine Höhe wird durch Faktoren wie Infrastrukturbedarf, Haushaltslage oder wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst.
Wer legt den Gewerbesteuerhebesatz fest?
Der Gemeinderat der jeweiligen Kommune beschließt den Hebesatz im Rahmen der kommunalen Finanzplanung. Dabei handelt es sich um eine politische Entscheidung, die regelmäßig überprüft und angepasst werden kann.
Was ist der Unterschied zwischen dem Gewerbesteuermessbetrag und dem Gewerbesteuerhebesatz?
Der Gewerbesteuermessbetrag ergibt sich durch Anwendung eines bundesweit einheitlichen Steuersatzes von 3,5 % auf den Gewerbeertrag. Der Hebesatz hingegen wird von der jeweiligen Gemeinde festgelegt und wirkt als Multiplikator – erst durch ihn ergibt sich die tatsächliche Steuerlast.