GbR oder UG: Was sich für Existenzgründer:innen lohnt
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GbR oder UG ist oft die erste Frage, die Du Dir als Existenzgründer:in stellst, wenn Du Dein Business gemeinsam mit Partner:innen planst. Wir unterstützen Dich als Guide dabei, die passende Struktur für Deinen Erfolg zu finden, damit Du Dich ganz auf Deine Vision konzentrieren kannst.
UG vs. GbR: Vergleich in 60 Sekunden
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Kriterium |
GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) |
UG (haftungsbeschränkt) |
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Gesellschaftsart |
Personengesellschaft |
Kapitalgesellschaft |
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Anzahl Gesellschafter:innen |
Mindestens zwei Personen |
Ab einer Person möglich (Ein-Personen-UG) |
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Gründung |
Formfrei (Gesellschaftsvertrag dringend empfohlen) |
Notar, Satzung/Musterprotokoll & Handelsregistereintrag |
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Mindestkapital |
Kein Mindestkapital |
Ab 1 € Stammkapital (Barzahlung Pflicht) |
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Haftung |
Persönlich, unbeschränkt & gesamtschuldnerisch (auch Privatvermögen) |
Grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt |
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Geschäftsführung |
Gemeinsam durch alle Gesellschafter:innen (sofern nicht anders geregelt) |
Durch bestellte Geschäftsführer:innen (können auch Externe sein) |
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Buchhaltung |
Meist einfache EÜR (bis 800.000 € Umsatz oder 80.000 € Gewinn) |
Doppelte Buchführung & Bilanzierungspflicht |
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Steuern |
Einkommensteuer (Ebene der Gesellschafter:innen) & Gewerbesteuer (nur bei gewerblicher GbR) |
Körperschaftsteuer (15 %), Soli & Gewerbesteuer |
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Gewinnentnahme |
Flexibel nach Vertrag möglich |
Ausschüttungen möglich, aber Rücklagenpflicht beachten |
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Rücklagenpflicht |
Nein |
25 % des jährlichen Gewinns (bis 25.000 € Stammkapital erreicht sind) |
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Außenwirkung |
Abhängig von den Personen; eher „einfach“ |
Oft höhere Akzeptanz im B2B-Bereich als „Mini-GmbH“ |
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MoPeG (seit 2024) |
Optionales Gesellschaftsregister (eGbR) für mehr Rechtssicherheit |
Keine vergleichbare Reform (bestehendes Handelsregister) |
GbR oder UG – Vergleich der Rechtsformen

GbR: Merkmale, Vorteile und Nachteile
Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist für viele Teams ein einfacher Einstieg in die Selbstständigkeit. Vor der Gründung solltest Du ihre besonderen Eigenschaften genau kennen.
GbR Merkmale
Die GbR entsteht, wenn sich mindestens zwei Personen für einen gemeinsamen Zweck zusammenschließen. Ohne Vertrag gilt die gemeinsame Vertretung, sodass Entscheidungen zusammen getroffen werden müssen. Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag ist zwar nicht verpflichtend, hilft aber, starre gesetzliche Vorgaben wie die Gewinnverteilung nach Köpfen zu vermeiden. Nach außen tritt die GbR üblicherweise mit den Vor- und Zunamen der Gesellschafter:innen und dem Zusatz GbR auf.
Vor- und Nachteile der GbR
Die GbR punktet durch eine schnelle Gründung ohne Mindestkapital. Während Gewerbebetriebe eine Gewerbeanmeldung nutzen, registrieren Freiberufler:innen ihre Tätigkeit direkt beim Finanzamt. Kritisch bleibt die unbeschränkte Haftung: Du haftest mit Deinem Privatvermögen auch für Fehler Deiner Partner:innen. Da Banken die GbR oft als weniger seriös einstufen, solltest Du vertragliche Regeln zu Exit-Klauseln und Gewinnverteilungen fixieren.
GbR 2024/2026: MoPeG, eGbR und Gesellschaftsregister
Seit dem 01.01.2024 hat das MoPeG das Recht der Personengesellschaften modernisiert. Zentrale Neuerung ist das Gesellschaftsregister, in das Du Deine GbR freiwillig eintragen lassen kannst.
Mit der Eintragung wird Deine GbR zur eingetragenen GbR (eGbR) und gewinnt deutlich an Rechtssicherheit. In der Praxis ist die Registrierung faktisch erforderlich, wenn die GbR Grundstücke erwerben oder Beteiligungen an Kapitalgesellschaften wie einer GmbH halten möchte. In diesen Fällen akzeptieren Grundbuchämter und Registergerichte ausschließlich die eGbR.
UG: Vorteile, Nachteile und Pflichten
Die UG bietet Dir als „Mini-GmbH“ Haftungsschutz bei geringem Startkapital. Wäge jedoch ab, ob die bürokratischen Hürden für Dich und Dein Business tragbar sind.
Vorteile der UG
Der größte Pluspunkt der UG ist die Haftungsbeschränkung: Dein Privatvermögen bleibt bei geschäftlichen Krisen geschützt. Zudem bietet sie eine seriöse Außenwirkung im B2B-Bereich und eine klare Struktur, um später Investor:innen an Bord zu holen. Theoretisch startest Du bereits ab 1 € Stammkapital und genießt dennoch die Vorzüge einer Kapitalgesellschaft. Ob eine UG oder GbR besser zu Dir passt, hängt somit primär von Deiner Risikobereitschaft ab.
Nachteile der UG
Trotz Haftungsschutz ist die UG bürokratischer als eine GbR. Du musst Notartermine wahrnehmen, Dich ins Handelsregister eintragen und Bilanzen im Bundesanzeiger offenlegen. Zudem musst Du jährlich 25 % des Gewinns als Rücklage einbehalten, bis 25.000 € erreicht sind.
Wichtig: Die 1-€-Gründung ist ein Mythos. Plane 500 € bis 1.000 € Startkosten ein, um die Liquidität Deiner UG zu sichern.
GbR oder UG gründen: Ablauf, Aufwand und typische Kostenblöcke
Der Weg in die Selbstständigkeit erfordert eine gute Planung der bürokratischen Schritte.
Gründung einer GbR - Schritt-für-Schritt
Die Gründung einer GbR ist der schnellste Weg, um mit Partner:innen durchzustarten.
Hier sind die wesentlichen Schritte für Dich:
- Gesellschaftsvertrag: Setzt einen schriftlichen Vertrag auf, um Regeln für Gewinnverteilung und Entscheidungen festzulegen.
- Gewerbeanmeldung: Meldet Eure Tätigkeit beim örtlichen Gewerbeamt an (Kosten ca. 20 € bis 60 €).
- Finanzamt: Füllt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus, um eine Steuernummer zu erhalten.
- Geschäftskonto: Eröffnet ein Konto, um private und geschäftliche Finanzen sauber zu trennen.
Gründung einer UG - Schritt-für-Schritt
Die UG-Gründung ist aufwendiger, bietet Dir aber einen rechtssicheren Rahmen.
Folge diesen Schritten für eine erfolgreiche Gründung:
- Satzung: Erstelle einen Gesellschaftsvertrag oder nutze bei einfachen Strukturen das kostengünstige Musterprotokoll.
- Notar: Die notarielle Beurkundung ist verpflichtend und Voraussetzung für die UG-Gründung.
- Kapitaleinzahlung: Eröffne ein Geschäftskonto und zahle das Stammkapital (mindestens 1 €) vollständig ein.
- Handelsregister: Der Notar meldet die UG zur Eintragung an. Erst mit der Eintragung entsteht die UG als juristische Person.
- Behörden: Melde Dein Gewerbe an und beantrage die Steuernummer beim Finanzamt.
In der Phase als „UG i. G.“ haftest Du noch persönlich. Gehe größere Verpflichtungen daher erst ein, wenn Deine Eintragung ins Handelsregister offiziell bestätigt ist.
GbR-UG-Unterschied: Haftung, Steuern, Buchhaltung
Der echte Vergleich dieser Rechtsformen zeigt sich erst im Detail der täglichen Geschäftspraxis.
Haftung
In der GbR haftest Du unbeschränkt und gesamtschuldnerisch mit Deinem Privatvermögen auch für Fehler Deiner Partner:innen. Die UG schützt Dich, da die Haftung grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen begrenzt ist. Aber Vorsicht: Bei grober Fahrlässigkeit, wie verspäteter Insolvenzmeldung oder Steuerschulden, haftet die Geschäftsführung dennoch persönlich.
Steuern
Die GbR ist steuerlich transparent: Du versteuerst Gewinne direkt mit Deinem persönlichen Einkommensteuersatz. Die UG unterliegt der Körperschaftsteuer (15 %) und Gewerbesteuer. Dies ist attraktiv, wenn Gewinne für weiteres Wachstum im Unternehmen bleiben. Schüttest Du Gewinne hingegen aus, fällt zusätzlich Kapitalertragsteuer an.
Buchhaltung & Jahresabschluss (Praxis-Impact)
Hier gewinnt die GbR an Einfachheit, da meist eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) ausreicht. Für die UG sind die doppelte Buchführung und die Offenlegung der Bilanzen beim Bundesanzeiger zwingend vorgeschrieben. Dieser Mehraufwand dient dem Gläubigerschutz, erhöht aber auch Deine laufenden Kosten.
UG oder GbR? Entscheidungsmatrix nach Business-Modell
Die Wahl der Rechtsform ist wie der Kompass für Deinen Erfolg. Hier erfährst Du, welches Modell zu Deiner Vision passt.
GbR oder UG – Entscheidungsmatrix zu Risikolevel, Kapitalanforderungen, Wachstum und Investoren
Eine UG ist sinnvoll, wenn…
Eine UG ist die richtige Wahl, wenn Dein Haftungsrisiko hoch ist, beispielsweise in einem Online-Shop mit Produkthaftung, mit Mitarbeitern oder bei hohen Vorleistungen. Auch wenn Du planst, Investor:innen an Bord zu holen oder im B2B-Bereich eine hohe Seriosität ausstrahlen möchtest, ist diese „Mini-GmbH“ ideal.
Eine GbR ist sinnvoll, wenn…
Die GbR punktet bei einem sehr schnellen und kostengünstigen Start. Sie ist ideal für Dienstleistungen ohne große Vorleistungen oder wenn ein hohes Vertrauen unter den Partner:innen besteht. Viele Existenzgründer:innen nutzen sie als Testphase für eine engere Zusammenarbeit.
Typische Szenarien
Hier ist ein kompakter Überblick, ob eine UG oder GbR besser zu Deinem Vorhaben passt:
- Online-Shop / E-Commerce: Wegen der Produkthaftungsrisiken ist die UG meist die sicherere Wahl für Dich.
- Beratungs- & Agenturgeschäft: Hier nutzen viele Existenzgründer:innen die GbR für einen schnellen Start ohne Notarpflicht.
- Handwerk / Baunahe Tätigkeiten: Die GbR ist ideal für dauerhafte Betriebe oder temporäre Arbeitsgemeinschaften (ARGE).
- IT / SaaS / Startup: Die UG bietet die nötige Struktur für Investor:innen und wirkt bei Bankgesprächen seriöser.
Wechsel & Alternativen: Von der GbR zur UG
Ein Umstieg lohnt sich für Dich, wenn Deine Umsätze steigen oder B2B-Kund:innen eine Kapitalgesellschaft erwarten. Seit MoPeG 2024 erfordert ein Formwechsel meist die eGbR-Eintragung. Alternativ gründest Du die UG neu und überträgst das Geschäft. Stelle Verträge, AGB, Konto und Zahlungsanbieter (Stripe/PayPal) konsequent zum Stichtag um. So vermeidest Du mit neuen Rechnungsdaten Chaos in Deiner Buchhaltung und bei Deinen Steuern.
FAQ
Wann lohnt es sich, eine UG zu gründen?
Die UG bietet Dir Haftungsschutz ohne volles GmbH-Kapital. Sie ist ideal für Existenzgründer:innen, die wachsen und Investor:innen gewinnen wollen.
Wann lohnt sich eine GbR?
Eine GbR lohnt sich für Dich, wenn Du schnell und kostengünstig mit Partner:innen gründen willst und das unternehmerische Risiko überschaubar bleibt. Sie bietet maximale Flexibilität bei minimalem bürokratischem Aufwand.
Was ist besser: UG oder GbR für kleine Unternehmen?
Die GbR punktet durch einfache Gründung und niedrige Kosten. Die UG ist formeller, bietet dafür aber einen klaren Haftungsschutz für Dein Privatvermögen. Entscheidend sind Risiko, Kapital und Außenwirkung.
Welche Steuern zahlt eine UG (haftungsbeschränkt) genau?
Die UG zahlt 15 % Körperschaftsteuer plus Solidaritätszuschlag sowie Gewerbesteuer. Hinzu kommt Umsatzsteuer, sofern Du nicht die Kleinunternehmerregelung nutzt. Bei Gewinnausschüttungen fällt für Gesellschafter:innen zudem Kapitalertragsteuer an.
Welche Steuern zahlt eine GbR und wer versteuert den Gewinn?
Die GbR zahlt keine Einkommensteuer. Du versteuerst Deinen Gewinnanteil direkt mit Deinem persönlichen Steuersatz. Bei der Gewerbesteuer nutzt Ihr einen jährlichen Freibetrag von 24.500 €.
Was bedeutet die Rücklagenpflicht bei der UG (25 % Gewinn) konkret?
25 % des Jahresgewinns müssen in eine Rücklage fließen, bis das Stammkapital von 25.000 € erreicht ist. Erst danach sind vollständige Gewinnausschüttungen erlaubt.
Kann eine GbR ins Register eingetragen werden (eGbR) - und wann ist das wichtig?
Seit 2024 kann eine GbR als eGbR registriert werden. Pflicht ist das z. B. beim Erwerb von Immobilien oder beim Halten von GmbH-Anteilen.
Kann ich später von der GbR zur UG wechseln? Was sind typische Stolpersteine?
Ein späterer Wechsel ist möglich, erfordert aber einen Notar und den Eintrag ins Handelsregister. Kosten und mögliche steuerliche Folgen sollten vorab geprüft werden.
UG oder GbR: Welche Rechtsform wirkt seriöser bei B2B-Kunden?
Die UG wirkt auf Geschäftspartner:innen oft professioneller. In bestimmten Branchen kann die persönliche Haftung der GbR jedoch zusätzliches Vertrauen schaffen.
GbR mit Freunden gründen: Welche Klauseln müssen in den Vertrag?
Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag ist essenziell. Er sollte Gewinnverteilung, Entscheidungsrechte, Austritt und Wettbewerbsverbote eindeutig regeln.
